Darf der Insolvenzverwalter das Fahrzeug pfänden? Kann ich es vorher noch verkaufen?

Darf der Insolvenzverwalter das Fahrzeug pfänden?

Ein Gläubiger und der Insolvenzverwalter haben die Möglichkeit der sogenannten Austauschpfändung (§ 811 a ZPO). Dies bedeutet, dass dem Schuldner im Austausch gegen die Pfändung des hochwertigen Autos, PCs, Laptops oder Tablets ein Ersatzstück einfacher Art und Güte oder der zur Beschaffung eines solchen Ersatzstückes notwendige Geldbetrag zur Verfügung gestellt wird. Damit wird das grundsätzlich unpfändbare Gerät pfändbar. Liegt der Wert des gepfändeten Gegenstandes beispielsweise bei 1.000,00 € und der des ausgetauschten Gegenstandes bei 100,00 €, verbleibt ein Zufluss beim Gläubiger aus der Austauschpfändung in Höhe von 900,00 €. Austauschpfändungen können sich also lohnen – je höherwertiger die Gegenstände, die gepfändet werden, sind. Der Insolvenzverwalter kann sich auch darauf berufen, dass das Fahrzeug gar nicht beruflich benötigt wird, bietet deshalb keine Austauschpfändung an und pfändet sofort das Fahrzeug. Unpfändbar sind allerdings sämtliche Sachen, die dem persönlichen Gebrauch oder dem Haushalt des Schuldners diesen, soweit der Schuldner ihrer zu einer seiner Berufstätigkeit und seiner Verschuldung angemessenen bescheidenen lebens- und Haushaltsführung bedarf [vgl. Uhlenbruck/Hirte InsO § 36 Rn. 14; MüKolnsO/Peters InsO § 36 Rn. 9) Von Bedeutung sind die allgemeinen örtlichen, sozialen und beruflichen Verhältnisse, aber auch persönliche Umstände wie das Alter des Schuldners, eine Behinderung oder die Zahl der im Haushalt lebenden Personen (vgl. KindIjMeller-Hannisch/Wolf, Gesamtes Recht der ZPO § 811 Rn. 10).

Achtung: Sollte das Fahrzeug vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens an einen guten Bekannten oder an ein Familienmitglied verkauft worden sein, um dieses zu retten, ist äußerste Vorsicht geboten. Rechtshandlungen, die vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorgenommen wurden und die Insolvenzgläubiger benachteiligen, kann der Insolvenzverwalter nach Maßgabe der §§ 130 bis 146 InsO anfechten. Je kürzer die Handlung vor Eröffnung der Privatinsolvenz liegt, umso einfacher gestaltet sich die Anfechtung für den Insolvenzverwalter. Um so viel Geld wie möglich zur Masse zu ziehen, wird der Insolvenzverwalter anbieten, das Fahrzeug aus der Masse herauszukaufen.

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